Gerda Müller und Pongo Zimmermann:
Augenblicke, Ideen, Leidenschaften und Löcher im Raum-Zeit-Kontinuum.

Copy.Right.Now!

Das geltende Urheberrechtsregime reibt sich zunehmend an der digitalen Alltagswirklichkeit. Schon jetzt verweigern Millionen von Menschen – Tauschbörsennutzer, Software-Kopierer, Mashup-Artisten – der geltenden Rechtsordnung ihre Zustimmung. Ein Ende der "Copyright Wars" erfordert ein politisches und rechtstheoretisches Neudenken.

Zwei Antworten unter vielen anderen auf die verwerterzentrierte Haltung der Politik:

Der Dirigent und Konzeptmusiker Christian von Borries hält die Unterscheidung zwischen Original und Bearbeitung in der Musik für obsolet. Er bedient sich einer speziellen Software, die fremde Kompositionen in Partituren rückübersetzt und als Weiterbearbeitung aufführbar macht. So wurden in der documenta-Arbeit "Auf einmal & gleichzeitig. Eine Machbarkeitsstudie" unter anderem Versatzstücke von Prokofjew, Schostakowitsch, Pierre Boulez, John Adams und Kanye West verwurstet. Dieses musikalische Gangstertum, so Borries, sei als legitime Form der Aneignung tief in der Musikgeschichte verankert. Auch die Künstlerin Cornelia Sollfrank plädiert in ihrem Beitrag "anonymous-Warhol_flowers – Urheberrecht als Material und Gegenstand der Kunst" für einen "Diskurs der künstlerischen Störung von Originalitäts- und Autorschaftskonzepten". Was das konkret bedeutet, stellte Sollfrank in dem Ausstellungsprojekt "Legal Perspectives" unter Beweis. Dort münzte sie den juristischen Eiertanz um eine digitale Warhol-Appropriation einfach in einen Kommentar zur Urheberrechtsdebatte um.

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